Inhaltsverzeichnis:
- Rückläufige Zahlen an den Universitäten Greifswald und Rostock
- Schwerin als wachsender Hochschulstandort
- Stimmen aus Politik und Vereinen
- Neue Perspektiven durch das Berufsakademiegesetz 2025
- Zukunftsstrategien für Mecklenburg-Vorpommern
Rückläufige Zahlen an den Universitäten Greifswald und Rostock
Die beliebtesten Studienorte im Land bleiben Greifswald und Rostock. Dort ist der Rückgang der Einschreibungen besonders spürbar. Während Mecklenburg-Vorpommern im bundesweiten Vergleich auf dem vorletzten Platz liegt, zeigt die Entwicklung über Jahrzehnte deutliche Schwankungen. 1998/1999 waren 23.900 Studierende eingeschrieben, 2011/2012 erreichte das Land mit 40.471 den Höchststand. Die Kultusministerkonferenz prognostiziert bis 2035 einen leichten Anstieg auf 6.400 Studienanfänger, doch der aktuelle Trend bleibt rückläufig.
- 2024/2025: 36.000 Studierende
- Rückgang gegenüber Vorjahr: –2,8 %
- Rückgang bei Studienanfängern: –1,1 %
Auch im städtischen Umfeld von Schwerin spielt die Hochschulpolitik eine zentrale Rolle. Die Hauptstadt des Landes, die bereits als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum gilt, will sich stärker als Bildungsstandort positionieren. Neue Entwicklungen in der Stadt finden sich etwa in aktuellen Projekten für Schwerin, die Infrastruktur und Bildungsangebote betreffen.
Schwerin als wachsender Hochschulstandort
Mit etwa 1.500 Studierenden ist Schwerin ein kleiner, aber dynamischer Bildungsstandort. Hier wird auf praxisnahe Ausbildung und Kooperation mit regionalen Einrichtungen gesetzt. Die Medical School Hamburg bietet in Zusammenarbeit mit den Helios Kliniken den klinischen Abschnitt des Medizinstudiums direkt in Schwerin an. Ebenso kombiniert die Internationale Studien- und Berufsakademie (ISBA) Ausbildung und Studium in Physiotherapie, Logopädie und Sozialpädagogik. Berufsbegleitende Programme ergänzen das Angebot.
Weitere Einrichtungen wie die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie M-V oder die Designschule decken kreative und wirtschaftliche Bereiche ab. Das Mecklenburgische Staatstheater dient zusätzlich als Ausbildungsstätte der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Diese enge Vernetzung zwischen Lehre und Praxis ist ein wichtiges Merkmal des Standortes. Die Stadt prüft weiterhin, ob eine staatliche Hochschule entstehen kann, wie es die Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und DIE LINKE vorsieht. Ziel ist, den Hochschulbestand auszubauen, ohne andere Standorte wie Wismar oder Güstrow zu schwächen.
Stimmen aus Politik und Vereinen
Der Verein Pro Schwerin sowie der Verein der Förderer von Hochschulen engagieren sich für den Ausbau der bestehenden Strukturen. Vorstandsvorsitzender Werner Hinz betont, die Forderung nach einer neuen staatlichen Hochschule sei „nicht mehr zeitgemäß“. Stattdessen solle die Zusammenarbeit mit bestehenden Hochschulen vertieft werden. Dr. Joachim Wegrad ergänzt, es gelte, den Hochschulbestand zu pflegen und auszubauen, um rückläufige Studierendenzahlen umzukehren. Der neue Vorsitzende Eike Fischer sieht Potenzial in der Kombination von Forschung und praxisnaher Ausbildung. Er verweist auf die erfolgreiche Integration der Medical School in Schwerin und die Zollhochschule in Rostock. Diese Beispiele zeigen, dass Hochschulentwicklung in kleineren Städten realisierbar bleibt.
In der Landeshauptstadt spielt dabei auch die Stadtentwicklung eine Rolle, etwa beim Anstieg der Mietpreise in Schwerin, der den Bedarf an studentischem Wohnraum verstärkt. Politische Lösungen und Investitionen in Wohnheime und Infrastruktur werden daher als dringend notwendig betrachtet.
Neue Perspektiven durch das Berufsakademiegesetz 2025
Ein entscheidender Fortschritt ist das Berufsakademiegesetz, das im Februar 2025 verabschiedet wurde. Es ermöglicht privaten Trägern, duale Akademien mit Bachelorabschluss zu gründen. Diese Einrichtungen kombinieren betriebliche Praxis mit wissenschaftlicher Ausbildung und unterstützen Unternehmen bei der Fachkräftesicherung. Zuvor existierten in Mecklenburg-Vorpommern keine Berufsakademien, obwohl laut Nordmetall-Jugendstudie 2024 zwei Drittel der Schüler duale Studiengänge bevorzugen.
Durch diese Maßnahme sollen junge Menschen im Land gehalten werden. Unternehmen profitieren dabei doppelt – durch praxisnahe Ausbildung und regionale Bindung der Absolventen. Ergänzend zu den akademischen Entwicklungen setzt Schwerin auf wirtschaftliche Innovation, etwa im Bereich von Technologie- und Innovationszentren, die Forschung und Wirtschaft verknüpfen.
Zukunftsstrategien für Mecklenburg-Vorpommern
Der Blick nach Brandenburg und Sachsen-Anhalt zeigt, dass langfristige Hochschulverträge Erfolg bringen. Brandenburg investiert bis 2028 rund 78 Millionen Euro in seine Hochschulen, Sachsen-Anhalt erhöhte das Grundbudget um 18 Prozent auf 454 Millionen Euro. Mecklenburg-Vorpommern plant ähnliche Strukturen, um Stabilität und Wachstum zu fördern.
In Schwerin soll die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow zur Hochschule für den öffentlichen Dienst Mecklenburg-Vorpommern (HöD M-V) weiterentwickelt werden. Schwerin ist dabei als Außenstandort vorgesehen, insbesondere für Fort- und Weiterbildungen von Landesbediensteten. Wann diese Pläne umgesetzt werden, bleibt offen.
Die Kombination aus praxisnaher Lehre, dualen Modellen und regionaler Vernetzung gilt als entscheidender Schlüssel, um Mecklenburg-Vorpommern als Hochschulstandort zu stärken. Schwerin könnte damit in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle in der Bildungslandschaft Norddeutschlands einnehmen.
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Karte: Google Maps
Quelle: SN schwerin Lokal, SN2WORLD