Inhaltsverzeichnis:
- Schloss Schwerin zieht, Ensemble bleibt im Schatten
- Welterbe-Zentrum lässt auf sich warten
- Dringender Bedarf an Toiletten und Zugänglichkeit
- Koordinatorin Linda Holung mit vielen Aufgaben
- Mehr Sichtbarkeit durch neue Projekte
Schloss Schwerin zieht, Ensemble bleibt im Schatten
Die Stadt zählte 2024 rund 10 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr. Davon besuchten allein 240.000 das Schloss. Doch das Schweriner Welterbe besteht nicht nur aus dem Schloss. Es umfasst insgesamt 38 Gebäude. Viele Touristen kennen jedoch nur den Hauptbau. Ein zentrales Problem ist die fehlende Präsenz des Begriffs „Welterbe“ im Stadtbild. Schilder, Erklärtafeln oder Hinweise fehlen an den meisten denkmalgeschützten Häusern.
Auch ein einheitliches Leitsystem gibt es bisher nicht. Oberbürgermeister Rico Badenschier betont, dass Qualität vor Geschwindigkeit gehe. Erste Schritte wurden bereits unternommen: Ein neuer Flyer mit Stadtführungen und Adressen wird derzeit gedruckt. Er erscheint auf Deutsch und Polnisch. Die städtische Internetseite zum Ensemble wird überarbeitet und soll in sieben Sprachen zugänglich sein.
Welterbe-Zentrum lässt auf sich warten
Ein zentrales Informationszentrum für das Welterbe fehlt bislang. Obwohl es keine formelle UNESCO-Forderung ist, gilt ein solches Haus in vielen Städten als Standard. Schwerin plant ein kombiniertes Gebäude für ein Welterbe-Zentrum und ein Stadtgeschichtsmuseum. Der Architekturwettbewerb ist abgeschlossen, über 120 Entwürfe wurden eingereicht. Eine Jury bewertet sie derzeit.
Trotz breiter Unterstützung durch Vereine wie den Schlossverein, den Welterbe-Förderverein und Pro Schwerin, sind die finanziellen Möglichkeiten begrenzt. Die Stadt unterliegt aktuell einer Haushaltssperre. Realistisch ist eine Eröffnung frühestens im Jahr 2030 oder 2031. Koordinatorin Linda Holung bremst die Erwartungen. Auch wenn der politische Wille da ist, fehlt es an Mitteln für Planung und Bau.
Dringender Bedarf an Toiletten und Zugänglichkeit
Ein oft übersehener, aber zentraler Kritikpunkt: öffentliche Toiletten im Welterbegebiet fehlen fast vollständig. Aktuell steht nur ein mobiler Toilettenwagen vor dem Schloss. Besucher müssen sich entsprechend einschränken. Ein neues Toilettenhaus ist für die Grüne Straße geplant, befindet sich aber noch in der Konzeptionsphase.
Abhilfe verspricht der Landtag: Zum Jahreswechsel 2025 wird im Schloss ein neuer Eingangsbereich mit barrierefreier Toilette im Erdgeschoss eröffnet. Die Bauarbeiten laufen bereits. Zusätzlich ist ein Besucherzentrum im Schloss geplant. Zwei Millionen Euro sollen aus dem Landtagshaushalt finanziert werden. Die Entscheidung fällt voraussichtlich im September 2025.
Koordinatorin Linda Holung mit vielen Aufgaben
Die Verantwortung für den Schutz des Ensembles liegt bei Welterbekoordinatorin Linda Holung. Sie prüft jede bauliche Veränderung, auch in den Pufferzonen. Neue Gebäude, große Bauvorhaben oder Windkraftanlagen müssen mit ihr abgestimmt werden. Ihre Aufgabenliste ist lang: Sie dokumentiert alle baulichen Entwicklungen der 38 Ensemble-Gebäude und forscht in Archiven.
Ziel ist es, die Geschichte jedes Bauwerks nachvollziehbar zu machen. Gleichzeitig arbeitet sie an digitalen Angeboten und Konzepten, die das Erbe auch virtuell erlebbar machen sollen. Erste Onlineangebote sind in Planung, doch der Fortschritt ist schrittweise. Für Holung steht der langfristige Erhalt des Welterbes im Mittelpunkt.
Mehr Sichtbarkeit durch neue Projekte
Die Initiative zur Welterbe-Bewerbung kam aus der Stadtvertretung Schwerins. Unterstützt wird sie von lokalen Vereinen. Besonders aktiv ist der Welterbe-Förderverein unter Leitung von Joachim Brenncke. Der Verein sammelt Spenden für das geplante Informationszentrum und engagiert sich für Bildungsprojekte.
Ein neues Projekt richtet sich an Kinder aus sozial schwächeren Stadtteilen. Sie sollen künftig kostenlos an Führungen teilnehmen können. Ziel ist es, alle gesellschaftlichen Gruppen für das Erbe zu begeistern. Am Jahrestag der UNESCO-Ernennung wurde zudem der neue Welterbeplatz feierlich eröffnet. Er soll künftig als zentraler Treffpunkt und Ort der Information dienen.
Wichtigste Entwicklungen im Überblick:
- Besucherzahl 2024: +10 %, Schloss allein mit 240.000 Gästen.
- 38 Gebäude gehören zum Residenzensemble.
- Fehlende Infrastruktur: Informationszentrum, Beschilderung, öffentliche Toiletten.
- Geplante Maßnahmen:
- Neuer Eingangsbereich am Schloss mit barrierefreier Toilette (Ende 2025).
- Welterbe-Flyer in zwei Sprachen.
- Architekturwettbewerb für Informationszentrum abgeschlossen.
- Internetseite in sieben Sprachen in Arbeit.
- Koordinatorin Linda Holung verantwortet Schutz, Forschung und Entwicklung.
Schwerin ist auf einem guten Weg, sein Welterbe lebendig zu machen. Doch bis zur vollen Erlebbarkeit des gesamten Ensembles bleibt noch viel zu tun.
Quelle: NDR, www.extratimeout.com/de